Ideen zu Ormel


1. Das Konzept

OTTO I

 

Wir hatten bereits in den 1980er Jahren "Otto", einen Camper mit absetzbarer Kabine, die Chris´Vater konstruiert und 1981 selbst gebaut hatte. Die Basis war ein 65 PS starker Hanomag / Daimler 206D Doppelkabiner. Das Reisen war entsprechend gemächlich :-) 

Die schwäbische Alb hoch ging´s mit 50 km/h im 3. Gang. 

 

Die Kabine konnte auf 4 Stützen (aus dem Gerüstbau) angehoben und mit dem Basisfahrzeug darunter herausgefahren werden! Das Ab- und Aufsetzen der Kabine war allerdings relativ aufwendig, so dass wir es im Urlaub selten machten...  

 

 

OTTO II

 

Unter die Kabine wurde 1986 ein moderneres und leistungsstärkeres Basisfahrzeug gebaut: Ein Fiat Ducato mit feurigen 78 Saugdiesel-PS, mit denen es immerhin schon mit 70 Sachen die Alb hochging. Die Kabine wurde etwas umgebaut und geräumiger, weil der Fiat ein Einzelkabiner war. 

 

 

FRIDOLIN

 

Nachdem auch Otto der II. in die Jahre gekommen war, kauften wir einen VW California Exclusive mit langem Radstand, Nasszelle und festem Hochdach. Mit 102 PS konnten wir erstmals problemlos LKW überholen und den Albaufstieg mit über 90 km/h schaffen. 

 

Wir liebten ihn sehr und unternahmen viele schöne Reisen mit ihm. Allerdings kam immer wieder der Wunsch nach mehr Mobilität am Urlaubsort auf, so dass wir immer wieder über eine Absetzkabine nachdachten, die es heutzutage ja auch fertig zu kaufen gibt (z.B. bei den Firmen Bimobil oder Tischer). 

 

Auch mit Fridolins Offroad-Fähigkeiten kamen wir, z.B. auf steilen, unbefestigten Wegen in den Alpen, regelmässig an unsere Grenzen. 

 

 

KONZEPT 

 

Wir überlegten, was genau wir haben wollten: 

 

1. Eine absetzbare Kabine also sollte es sein. Das Basisfahrzeug sollte ein allradgetriebener Pickup sein, mit dem wir uns auch mal abseits befestigter Straßen herumtreiben können. 

 

2. Es sollte ein Einzelkabiner werden, da wir nur zu zweit unterwegs sind und die Gewichtsverteilung (Achslasten!) mit länger werdendem Fahrerhaus und weiter nach hinten wandernder Kabine schlechter wird. Auch die Geländegängigkeit leidet unter Hecklastigkeit und langem Überhang. Ganz zu schweigen von dem Risiko eines Rahmenbruchs. 

 

3. Ein Fahrradträger am Heck musste sein, und auf eine Dusche wollten wir auch nicht verzichten.

 

4. Einen Durchstieg zwischen Kabine und Fahrerhaus wollten wir unbedingt haben, da wir uns so sicherer fühlen und auch mal während der Fahrt nach hinten an den Kühlschrank können.

 

5. Dadurch ergab sich ein Grundriss mit einer Seitentür, einer vorne liegenden Dinette, einer Heckküche und einer kleinen Nasszelle.

 

6. Das Fahrzeug sollte nicht im rauhen Alltag "verheizt" werden, sondern ein reines Urlaubsfahrzeug werden. Wir brauchten deshalb keine Pickup-Ladefläche, die unnötiges Gewicht bringt und wertvollen Platz in der Kabine kostet. Es sollte also eine rahmengebundene Kabine werden. 

 

 

 

2. Das Basisfahrzeug

FAHRZEUG: NISSAN D22 "NP300" 

 

Wir suchten Ende 2011 nach einem robusten, relativ leichten, geländegängigen und erschwinglichen Pickup, den es als Einzelkabiner gibt und der eine grüne Plakette hat, aber möglichst einen Diesel-KAT und keinen Partikelfilter. 

 

Viele Kandidaten schieden für uns aus unterschiedlichen Gründen aus: 

 

- Land Rover Defender 110 HCPU als Single-Cab  (schwer zu bekommen, zu eng, kein Airbag) 

- Toyota HZJ Single Cab (als Import mit grüner Plakette unerschwinglich teuer) 

- Daimler G-Modell als SC (mit ausreichend Leistung schwer zu bekommen, unbezahlbar) 

- Nissan D40 Navara (nur als King Cab oder Doppelkabiner zu bekommen) 

- VW Amarok (kam damals gerade auf den Markt, war aber als Einzelkabiner noch nicht erhältlich) 

- Toyota Hilux (geringe Zuladung, war 2011 als Einzelkabiner nur ohne Allrad zu bekommen) 

- Isuzu D-Max (2011 noch kaum verbreitet, sehr schlechtes Händlernetz) 

 

Übrig blieben eigentlich nur der Ford Ranger und der Nissan NP300 (der damals noch -parallel zum D40 Navara- gebaut wurde). 

 

Wir fanden einen günstigen jungen Gebrauchtwagen in Berlin und schlugen zu: Es wurde ein Nissan. 

 

 

3. Die Wohnkabine

KABINE

 

Nachdem das Basisfahrzeug besorgt war, konnte es in die Details der Planung gehen. Es wurde recherchiert, skizziert, gerechnet und probiert. 

 

Wir haben im Keller 1:1 Modelle aus Holzplatten, Styropor und Pappmöbeln gebaut, um zu testen, ob die Toilette nicht doch zu eng ist, und ob wir mit der geplanten Breite auch quer in der Kabine schlafen können. Auch in Corel-Draw und Sketchup wurden Enwürfe gezeichnet und wieder verworfen... 

 

Nachdem uns klar geworden war, was wir wollten, suchten wir einen Kabinenbauer, der unsere Pläne umsetzen würde.

 

Herr von Liebe von der Fa. Bimobil zeigte keinerlei Interesse, uns eine Leerkabine (auch noch mit Sonderwünschen) zu fertigen.

 

Die Fa. Tischer wollte uns (obwohl sie es schon gemacht haben) keine rahmengebundene Kabine bauen und verwies uns an Bimobil...

 

Also gingen wir mit den Entwürfen zur Fa. Ormocar nach Hauenstein und hatten mehrere sehr nette und informative Gespäche mit dem Inhaber, Herrn Kuhn. Nach einer Werksführung und einem Kostenvoranschlag entschieden wir uns für Ormocar. Zusammen mit Herrn Kuhn entwickelten wir die Idee mit an Airlineschienen befestigten und abnehmbaren Hubstützen weiter und klärten noch Details zur Tür, zum Durchstieg, zur Verlegung des Tankstutzens und zum Zentriersystem. 

 

 

4. Ormels Daten

  • Nissan NP300 Baujahr 2009 
  • 133 PS Turbodiesel 
  • Euro 4 mit Diesel-Katalysator 
  • Geländeuntersetzung 2,3 : 1 
  • Manuelle Freilaufnaben vorne 
  • Differentialsperre hinten 
  • AT-Reifen (BFGoodrich AT KO2) 255/70R16 
  • Bodenfreiheit 24 cm (Boden-Differenzial)
  • Bauchfreiheit ca. 33-37 cm (Boden-Rahmen)
  • Luftfederung zur Anpassung an den Ladezustand 
  • Ladefläche ersetzt durch Zwischenrahmen mit Alu-Riffelblech-Plattform   
  • Ormocar Leerkabine 
  • Kabinenbreite außen 2,00 m
  • Fahrzeuglänge 5,35 m
  • Fahrzeughöhe 2,70 m
  • Leergewicht mit Kabine 2550 kg 
  • Zulässiges Gesamtgewicht 3100 kg
  • 2 x 40 Liter Frischwassertanks mit Filter 
  • 110 Ah Vlies-Batterie  
  • Photovoltaik 80 Wp 
  • Propangasanlage, Absorberkühlschrank  


 

Hier möchten wir ein wenig über den Auf- und Ausbau unseres Pickup-Campers "Ormel" erzählen: 

 

zu den Fotos vom Kabinenbau