Marokko 2018


Marokko?

Reisepläne in der Schublade 

 

Nachdem wir vor vielen Jahren einmal eine Marokko-Reise gemacht haben, haben wir den Wunsch, nochmal dorthin zu Reisen. Damals waren wir mit einer organisierten Tour in einem Land-Rover durch den Süden Marokkos gereist. Leider nur ein "Wochenendausflug". Seither schwebt uns vor, einmal mit dem eigenen Camper eine Rundreise durch Marokko zu unternehmen. 

 

Mit Ormel haben wir nun endlich einen allradgetriebenen Camper, mit dem wir auch mal schlechte Pisten, Flussfurten, Wadis und ähnliches bewältigen können. 

 

2017 kam dann von Gleichgesinnten aus dem Wohnkabinen-Forum eine Anfrage nach Partnern für eine gemeinsame Reise, auch um sich bei Pannen und Problemen gegenseitig helfen zu können. Dies war für uns der Auslöser, jetzt musste es konkret werden, besteht doch momentan beruflich die einmalige Gelegenheit, 4 Wochen Urlaub zu bekommen. 

Vorbereitungen

 

Um Ormel für die Marokko-Reise fit zu machen, haben wir einige kleine Veränderungen durchgeführt: 

 

Dickere Hupen: 

 

Da wir uns doch regelmäßig in südlichen Ländern bewegen, ist eine gewisse Mindestlautstärke der akustischen Signalanlage nicht von Nachteil, um im allgemeinen Hupkonzert nicht übertönt zu werden. 

Die originale Nissan-Hupe war schon etwas mickrig im Klang. Wir haben Ormel gleich 2 größere Hup-Organe gegönnt! 

Öko-Rückschritt: Diesel statt Fahrrad 

 

Da wir diesmal ausnahmsweise ohne unsere Räder fahren wollten, haben wir den Fahrradständer vom Heck abgeschraubt.  Stattdessen haben wir eine Halterung für 2 Reservekanister und eine Staubox gebaut, die ans Heck kommt. In die Staubox kommt dann z.B. Bergematerial. 

 

 

Direkt über den Kanister und der Staubox ist dann Platz für die Sandbleche vorgesehen. 

 

Auf dem unteren Bild seht Ihr die Sandbleche (unterer grüner Pfeil), sie sind mit abschließbaren Sternmuttern an den Airline-Schienen befestigt. 

 

 

Oberhalb befindet sich unsere leichte Aluminium-Sandschaufel. Alternativ (und damit man auch mal zu zweit buddeln kann) haben wir noch den bewährten Klappspaten dabei. 

 

 

Langfinger aufgepasst! 

 

Außerdem haben wir (rote Pfeile), nachdem unsere diversen Wohnmobile in der Vergangenheit bereits mehrfach aufgebrochen wurden, eine Alarmanlage installiert: Magnetkontakte an Türen, Fenstern und Kofferklappen sowie zusätzlich ein Bewegungsmelder im Innenraum. Das ganze gepaart mit GPS- und Videoüberwachung und Alarmübermittlung aufs Handy per SMS und Push-Nachricht. 

 

 

 

 

 

Auf großem Fuße...

 

Nachdem unser Ersatzrad mit der Serien-bereifung 7 cm weniger Durchmesser und 5 cm weniger Breite als unsere aktuelle Bereifung hat, war es eigentlich nur als "Not-Rad" für kürzere Strecken zu gebrauchen.

 

Wir möchten ein vollwertiges Ersatzrad haben, mit dem wir die Reise im Falle einer Reifenpanne problemlos zu Ende bringen können. Deshalb haben wir uns entschlossen, ein neues Ersatzrad anzuschaffen mit der gleichen Felge und Bereifung, wie die anderen Räder.  

 

 

Jetzt wird´s konkret

 

Um uns kennenzulernen und mal zu beschnuppern, haben wir uns mit den anderen Mitgliedern der Reisegruppe im November im schönen Bacharach am Rhein getroffen. Nachdem wir schnell das Gefühl hatten, dass die Chemie stimmt, wurden auf einer  Tischtennisplatte auf Burg Stahleck über Bacharach die Marokko-Landkarten ausgebreitet und erste Entwürfe für die Reiseroute besprochen. 

 



Marokko 2018

März 2018. Es ist soweit. Es hat geklappt! Wir haben tatsächlich etwas mehr als 4 Wochen Urlaub. Wir können endlich die Reise antreten, auf die wir uns so lange gefreut hatten. 


Packen

Wir packen alles, wovon wir glauben, es müsse unbedingt mit in unseren Ormel: Klappstühle, Gleitschirm, Klamotten, Wanderschuhe, Rucksäcke, Grill...

Leider dürfen wir unseren kleinen Quadrocopter, den Gin und den Whisky wegen der marokkanischen Zollbestimmungen nicht mitnehmen. 


Tag 1: Abfahrt

Fertig gepackt. Wasser drin. Nix vergessen? 

 

Pässe, Führerschein usw., auch als Kopien? 

 

Vorgefertigte Fiches mit unseren Daten für Kontrollen? 

 

Zuhause auch Heizung, Wasser und Bügeleisen abgestellt? 

 

Na dann: Los geht´s 

 

 

 


Tag 2: Frankreich und Spanien

Wir fahren viele Stunden mit wenig Pausen und ernähren uns gesund mit erlesenen kulinarischen Delikatessen.

 

Wir übernachten, trotz anderslautender Vorsätze, auf Autobahnraststätten, weil wir zu müde sind, etwas ausserhalb zu suchen. Schön war´s trotzdem! 

 

Wir machen trotz der Eile bei einer kurzen Rast einzigartige Naturbeobachtungen in der nahe gelegenen Feuchtwiese ;-) 

 

 


Tag 3: Durch Spanien und Ankunft in Tarifa

Wir fahren tapfer weiter, weil wir uns am Samstag Abend in Tarifa mit den anderen Mitgliedern unserer Reisegruppe treffen wollen. 

 

Anmerkung: Zwei der Mitreisenden möchten auf den Bilden im Internet nicht zu sehen sein und auch nicht namentlich genannt werden. Dies respektieren wir und haben entsprechende Bilder hier entweder nicht verwendet, abgeschnitten oder (sehr unfachmännisch) retuschiert. Auch die Nummernschilder der beiden anderen Fahrzeuge haben wir unkenntlich gemacht. Ormels Nummer haben wir sichtbar gelassen, er trägt sie mit Stolz! 

 

In Tarifa gehen wir nochmal einkaufen und erreichen den Stellplatz gerade noch rechtzeitig, um den Sonnenuntergang am Strand zu erleben. 

 

 


Tag 4: Überfahrt nach Tanger und kühler Empfang in Marokko. Fahrt ins Blaue...

Nach einer erholsamen Nacht in Tarifa machen wir uns auf den Weg zum Hafen und kommen nach unproblematischen Kontrollen an Bord des Fährschiffes. Bei schwerer See geht´s flott nach Tanger-Ville. Die Einreiseformalitäten in Marokko dauern etwa eine Stunde und wir sind im Land! 

 

Leider regnet es in Strömen. Wir fahren etwa 120 km durch Pfützen in die blaue Stadt: Chefchaouen. 

 

Jetzt bricht auch die Sonne durch. Wir sind angekommen! Nun einmal tief durchatmen: Juhu, wir sind im Urlaub. 

 

 


Tag 5: Fahrt nach Fes durch grüne Landschaften

Bei besserem Wetter setzen wir unsere Reise fort und fahren durch bergige, grüne Landschaften nach Fes, in eine der fünf historischen Königsstädte Marokkos. 

Die Qualität der Straßenbeläge wechselt zwischen nagelneu und rudimentär. Die Menschen sind freundlich und winken uns zu. 

 

In Fes werden wir wieder mit Stadtverkehr konfrontiert: Die Regeln sind hier anders als bei uns, es wird etwas mehr improvisiert. Aber es funktioniert; wir denken, die Leute fahren hier zwar chaotischer, aber dafür konzentrierter als bei uns. 

Wir nisten uns auf dem Campingplatz "International" südlich vom Zentrum ein und essen dort eine Tajine mit Hühnchen.

 

Nein, unser Essen haben wir nicht fotografiert :-)

 

 


Tag 6: Fes - Die Stadt des Leders und der düfte

Mit dem Taxi und einem Touristen-Führer geht´s nach Fes. Erst an einen Aussichtspunkt, dann in eine Töpferei (natürlich mit Einkaufsmöglichkeit ;-)

Danach in die Innenstadt in eine Weberei (natürlich mit Einkaufsmöglichkeit...) 

Danach durch die Souks (mit zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten), Paläste und eine Koranschule (Madrasa), wo auch Ungläubige (kuffār) Zugang haben.

 

Da wir in den besuchten Läden nicht viel einkauften, fiel die Provision für unseren Führer wohl etwas mager aus, weshalb er um die Mittagszeit dann nochmals über den Preis für die Führung nachverhandeln wollte :-( 

 

Am Schluss kamen wir dann noch in das Gerberviertel, wo sich aufklärt, warum über dieser wunderschönen Medina von Fes so ein eigenartiger Geruch liegt. 

 

 


Tag 7: Fahrt nach Süden

Nach einem Einkauf im Supermarkt fahren wir Richtung Azrou. Dort tanken wir und fahren über Nebenstraßen durch wunderschöne Landschaften über Ain Leuh nach Khénifra.

 

Unterwegs treffen wir auf wilde Makaken, die anfangs etwas schüchtern sind, dann aber doch näher kommen. Zunächst wollen sie sich nicht mit uns fotografieren lassen, sind aber schließlich mit Nüssen und Trockenfrüchten korrumpierbar ;-)  

 

Nachdem wir, durch die lange Fahrt ermüdet, beinahe zwischen einer Tankstelle und einer Baustelle auf einem Asphalt-Parkplatz an der Hauptstraße genächtigt hätten, entschließen wir uns doch, noch etwas weiter zu fahren und finden einen traumhaft schönen Stellplatz am Seeufer. 

 

Auf wundersame Weise taucht im Keller, hinter dem Wassertank unseres Ormel, eine Flasche Gin und eine Flasche Whisky auf. So gibt´s am Abend einen Gin Tonic und einen Whisky-Cola.

 

 


Tag 8: Fahrt ins Atlasgebirge nach Imilchil

Weiter geht´s nach Imilchil über mal bessere, mal schlechtere Straßen. Im Gebirge kommen wir an eine hochprofessionelle Straßensperre vor einer Baustelle. Wir müssen 3 Stunden warten, bekommen aber von den freundlichen Arbeitern einen leckeren Minztee angeboten. 

 

Wir lernen Justus, den Fahrrad-Globetrotter kennen. Er möchte mit seinem Rad mit Zeltausrüstung nach Süden bis in die Sandwüste fahren. 

 

Wir übernachten auf einem Stellplatz bei der Auberge Tislite an einem märchenhaften See. Der Legende nach ein Tränensee von Liebenden, die sich nicht finden konnten... 

 

 


Tag 9: Über den hohen Atlas ins Dades-Tal

Wir tanken in Imilchil und fahren in Agoudal auf die R704 (Abzweigung etwas unauffällig).

 

Hier geht es über Schotterpiste durch ein Tal, in dessen Verlauf wir mehrfach ein wasserführendes Wadi furten müssen. Hier teffen wir wieder auf den tapferen Radler Justus, der barfuß sein Rad durch das steinige Flüsschen trägt. Nachdem noch einige Flussüberquerungen anstehen und der weitere Verlauf der Strecke nicht sehr Rennrad-geeignet ist, nehmen wir ihn im Auto mit: einer das Rad, einer das Gepäck und einer Justus. 

 

Nach langer Fahrt über teils ausgesetzte, teils grobe, teils matschige und steile Pisten werden wir mit grandiosen Aussichten belohnt! Wir hatten Glück, denn die Strecke war noch etwa 1 Woche zuvor von zwei offroad- und alpin erfahrenen Schweizern mit einem Bremach  nicht passierbar (http://www.ufbrechopf.ch/blog/files/4599b9b9bc9d66a5e535ee9332562737-80.html).

 

 


Tag 10: Kleine Wanderung am Dades-Tal

Nach all der Fahrerei machen wir mal einen Tag zum Ausruhen und unternehmen mit Ute & Peter eine kleine Wanderung in die Umgebung. 

 

 



Tag 11: Entlag der Strasse der Kasbahs mit Osterfrühstück

Wir fahren über Boumalne Dades entlang der "Straße der Kasbahs" (von eher pragmatischen Personen auch "N10" genannt) Richtung Ouarzazate. Leider fahren wir am Tal der Rosen vorbei, die Gruppe legt eine ordentliche Pace vor...

 

Wir frühstücken mit Blick auf die Berge und verzehren die Ostereier, die wir erst am Abend zuvor angemalt hatten. 

 

Wir passieren Ouarzazate und landen in Agdz auf einem schönen Campingplatz direkt am Ksar (alte Kernstadt). Dort grillen wir am Abend unsere letzten Vorräte an Schweinswürsten.  

 

 


Tag 12: Entlang des Draa-Tals nach M’hamid El Ghizlane

Aus terminlichen Gründen besichtigen wir den schönen Ksar von Agdz nicht. Stattdessen fahren wir nach Tamnougalt, ganz in der Nähe. Nach einiger Suche haben wir diesen dann auch gefunden und den "Casbah des Caids" genannten Ksar besichtigt, der teilweise noch bewohnt und teilweise auch bereits im Zerfall begriffen ist. 

 

Auf dem Weg Richtung M´hamid sind uns toll ausgebaute Radwege und viele Radfahrer aufgefallen; offenbar soll das Fahrrad von der regionalen Regierung als Fortbewegungsmittel gefördert werden. 

 

Kurz vor M´hamid hat eines der Fahrzeuge eine Reifenpanne. Sie müssen mit dem Ersatzrad weiterfahren. Wegen nun fehlendem Ersatzrad und wegen Problemen mit ihrem Partikelfilter werden sie nicht durch den Erg Chegaga mitfahren. 

 

 


Tag 13: Erg Chegaga: Wüste, soweit das Auge reicht

Wir fahren nur mit 2 Kabinen in die Wüste, die anderen lassen in Zagora den Reifen flicken und reisen auf der Landstraße nach Foum-Zguid weiter, wo wir uns wieder treffen wollen. 

 

Nach einigen zig Kilometern auf erst erdigem, später sandigem Grund (teils auch ziemlich weicher Sand, in dem man praktisch nur mit Vollgas vorwärts kommt) folgen wir einer nördlich am Rand des Erg entlang verlaufenden Piste über Geröllfelder mit zunehmend gröber werdendem Kies. 

 

Später wechseln wir wieder auf die sandige Piste direkt am Rand des Erg. Dabei queren wir ein weichsandiges Dünenfeld, wo wir uns ordentlich festfahren. Nun werden die Sandbleche eingeweiht und erstmals ihrem eigentlichen Zwecke entsprechend benutzt :-) 

 

Nach getaner Arbeit suchen wir uns am westlichen Ende des Erg ein schönes Plätzchen zum Übernachten. Wie durch ein Wunder finde ich an diesem Tag hinter einem Brettchen unter dem Kühlschrank unsere Drohne und kann noch ein bisschen umherfliegen und filmen... 

 

 


Tag 14: Weiter über den Lac Iriki nach Foum-Zgouid

Morgens wird trotz noch kühler Luft draußen gefrühstückt. Noch ein paar Luftaufnahmen, dann geht´s weiter. 

 

Kurz danach sind wir wieder im Sande versackt: Der Versuch, im weichen Sand zu schalten, hat sich gerächt: Schon die kurze Zugunterbrechung hat genügt, um uns fast komplett zu stoppen. Diesmal kamen wir nach kurzem Buddeln ohne Bleche wieder ´raus. 

 

Über den Lac Iriki, einen ausgetrockneten See, von dem nur noch eine Lehm/Sand/Salz-Ebene übrig ist, geht´s mal wieder richtig flott! 

 

Weiter durch ein Tal, wieder mit steinigen Pisten und tollen Tafelbergen nach Foum-Zgouid auf einen Camingplatz. 

 

 


Tag 15: Wasch- und Ruhetag

Die anderen wollen zügig weiter Richtung Meer. Wir brauchen einen Tag Pause, um zu waschen, Sand aus dem Auto zu fegen, den Luftfilter zu checken, zu entspannen und den Spiegel wieder festzuschrauben (das Gerüttel auf den Steinpisten hatte den rechten Außenspiegel gelockert).

 

Nebenbei: Ja, wir haben einen Dutch Oven dabei. Und: ja, der ist schwer. Er wiegt mit Zubehör fast 6 kg. Aber es musste einfach sein... 

 

 


Tag 16: Über Tata in den Anti-Atlas

Weiter geht die Reise nach Tata, einer mittelgroßen Stadt am Südrand des Anti-Atlas. Die anderen hatten wegen einer erneuten Reifenpanne hier auf einem Campingplatz eingecheckt, um auf neue Reifen zu warten. Da sie ohnehin genug von den Bergen haben und zügig ans Meer wollen, bleiben wir nicht auf dem Campingplatz in Tata (schattenloser Kiesplatz) und fahren die geplante Tour weiter Richtung Anti-Atlas. Ute und Peter folgen uns am nächsten Morgen und holen uns am Mittag ein. 

 

Wir übernachten auf einem einsamen Plätzchen im Gebirge. Bei einer Windböe während der Landung beschädigen wir die Drohne am Propeller. Leider findet sich im Totraum unter dem Kühlschrank kein Ersatzpropeller :-(

 

Als Trost bekommen wir einen unglaublichen Sternenhimmel präsentiert. 

 

 


Tag 17: über Igherm und den Agadir Tasguent nach Tafraoute

Wir fahren weiter durch Hochnebel und farbige Landschaften mit malerischem Licht. In Tighrman biegen wir ab zum Agadir Tasguent, einer alten Speicherburg der Beduinen. Hier haben die Angehörigen der lokalen Clans zum Teil bis heute ihre Vorräte und Wertsachen in abgeschlossenen Kammern deponiert, um sie vor Dieben und feindlichen Stämmen zu schützen. 

 

Später fahren wir durch das wunderschöne Tal der Ammeln, eine eher wohlhabende Gegend, deren Bewohner vom überregionalen Handel leben. 

 

In Tafraoute kaufen wir noch ein und treffen Ute & Peter. Gemeinsam geht´s dann weiter zur "Schluchtenrundfahrt" (nach E. Kohlbach). In Ait Mansour finden wir einen Stellplatz unter Palmen und gehen Chez Messaoud noch Omelette essen.   

 

 


Tag 18: Schluchtenrundfahrt, Farbige Felsen, Tafraoute

Wir fahren durch die Schlucht weiter durch mehrere Dörfchen. Das Tal weitet sich und die Vegetation  wird karger.

 

Die Landschaft verändert sich, bleibt aber wunderschön. Wir treffen einen Reisenden im 4x4 Camper (sonst kein einziges Auto) und halten ein "Schwätzle". 

 

Wir besuchen die "Les Peintures", wo der belgische Künstler Jean Verame in den 80ern (unserer Ansicht nach überfüssigerweise) 18 Tonnen Farbe auf die wehrlos herumliegenden Felsen geschmiert hat. 

 

Zurück in Tafraoute kraxeln wir noch am "Hausberg" des riesigen Stellplatzes hoch. 

 

 


Tag 19: Über Tiznit und den Felsen von Legzira nach Sidi Ifni

Wir fahren weiter in Richtung Meer. Von Ute & Peter verabschieden wir uns hier nach schönen gemeinsamen Tagen. Die Beiden zieht es nicht ans Wasser, sie möchten lieber weiter durch die Berge ziehen.

 

Bei Tiznit gehen wir nochmal ordentlich einkaufen: Hier gibt´s neben dem Souk auch einen Supermarkt. Dort decken wir uns mit wichtigen Grundnahrungsmitteln ein, die es im Souk nicht gibt: Es gibt Nutella! und Gummibärchen!!!    :-) 

 

Weiter geht´s an dem Felsen von Legzira vorbei nach Sidi Ifni. 

 

 

Tag 20: Sidi Ifni - Schmuckstück am Meer

Wir bummeln im hübschen Sidi Ifni, das von Spaniern gebaut wurde und erst 1969 in marokkanischen Besitz überging. Wir spazieren am Strand umher. Wir lesen und entspannen. Abends gehen wir beim "Nomaden" sehr gut essen mit 4 Gängen (u.a. Tarjine mit frischen Meeresfrüchten) und Wein für einen Preis, den man bei uns für Schnitzel mit Pommes bezahlt. 

 

 

Tag 21: Über Legzira an der Küste nach Taroudant

Leider ist nun der Wendepunkt der Reise erreicht: Wir fahren wieder Richtung Norden und nähern uns somit wieder der Heimat. 

 

Unglücklicherweise ist auch heute wieder kein Flugwetter, da wir (wie seit Tagen) starken ablandigen Wind haben. So nehmen wir Abschied vom Gedanken, in Legzira Gleitschirmfliegen zu können.  

 

An der Küste entlang geht´s am wenig attraktiven, touristischen Mirleft vorbei nach Sidi Ouassai, welches -nach den Eindrücken aus Sidi Ifni- eher abstoßend wirkt. Nachdem wir jetzt genug Meer gesehen haben, fahren wir an Agadir vorbei Richtung Marrakech und übernachten im schmucken Taroudant mit seiner imposanten Stadtmauer. 

 

 


Tag 22: Tizi-n-Test

Wir überqueren den hohen Atlas erneut, diesmal nach Norden, über den legendären Tizi´n´Test-Pass. An dem wird fleißig gebaut, wahrscheinlich ist er nächstes Jahr durchgehend mit einem Reisebus befahrbar...

 

Die Landschaft und der Ausblick aufs Toubkal-Massiv (Jbel Toubkal, 4167m, höchster Berg Marokkos) sind einzigartig. 

 

Wir installieren uns auf einem schönen Campingplatz 12 km südlich vom Zentrum.  

 

 


Tag 23: Regentag am Campingplatz

Wir verbringen einen etwas trüben Tag mit Regenschauern, indem wir lesen, Bilder sortieren, spazieren und uns über Marrakech informieren.  

 

 


Tag 24: Marrakech

Mit dem Bus geht´s in gut 20 Minuten für umgerechnet 50 cent in die Innenstadt von Marrakech. Wir lassen uns treiben durch die Gassen und die Souks. Wir genießen den Blick über die Dächer Marrakechs mit dem Atlasgebirge, das wie in den Himmel projiziert, über dem Horizont sichbar ist. Wir genießen das bunte Treiben, die exotischen Gerüche und sind ganz eingelullt von dieser atmosphärischen Stadt. 

Die wenigen aufdringlichen Händler oder Schlepper lassen sich durch ein freundliches, aber bestimmtes "Nein, Danke" (allerdings in arabisch gesprochen) problemlos abblocken. 

 

Am Abend essen wir lecker auf dem zentralen Platz "Djemaa el-Fna". 

 

Wir können uns zusammenreißen und kaufen nichts (denn wir haben ja den schweren Dutch-Oven an Bord) Später erstehen wir dann doch noch etwas: Einen super billigen Selfie-Stick. Danach konnten auch wir endlich viele, viele dämliche Selfies machen ;-) 

 

 

Tag 25: Nach Nordwesten - Wieder zur Küste


Wir umfahren die Medina Marrakechs und kommen dabei durch die Neustadt: Hier fahren viele Porsche herum und die Mercedes sind hier neu, und nicht aus den 1980er Jahren. Es gibt Fahrradverleih-Stationen, große Einkauf-Malls und protzige Brunnen und Paläste. 

Wir beobachten FRAUEN, die autofahren! In dicken SUVs.

 

Die Schere zwischen arm und reich klafft hier viel weiter als bei uns. Die Reichen sind genauso reich, aber es gibt hier viel mehr bittere Armut als bei uns. 

 

Wir fahren eher unspektakuläre Straßen bis nach El Jadida, wo wir einkaufen gehen und am Abend grillen. Die mit dem Selfie-Stick gemachten Grill-Fotos ersparen wir dem Betrachter dieser Seiten...

 

 


Tag 26: El Jadida

Wir besichtigen die Altstadt von El Jadida, die von Portugiesen erbaut wurde. Bemerkenswert ist vor allem die Befestigung in Form einer (kostenlos) begehbaren Stadtmauer und die portugiesische Zisterne, ein unterirdisches Gewölbe (wohl erst Waffenkammer, später Wasserspeicher) mit einer mystischen Stimmung durch die Spiegelungen im wasserbedeckten Boden und den Lichteinfall durch ein Loch in der Decke. 

 

Am Abend grillen wir und sind ein wenig wehmütig, weil´s morgen wieder Richtung Heimat geht. 

 

 

Tag 27: Strecke machen nach Tanger, Übersetzen und Wieder zurück nach Europa

Über die Autobahn (die sehr gut in Schuss ist, auf der sich auch gelegentlich Fußgänger, Ziegen oder Eselskarren bewegen) geht´s bis nach Tanger, wo Ormel im Hafen mal ordentlich durchleuchtet wird. Zum Glück wird beim Röntgen nichts schlimmes entdeckt, so dass wir nach einer kurzen Inspektion des Innenraums aufs Schiff können.  

 

Zum Sonnenuntergang sind wir, nach fast 4 Wochen, wieder in Tarifa. Es kommt uns irgendwie vor, als wären wir erst vor 2 oder 3 Tagen hier gewesen...

 

 

Tag 28: Durch Spanien


Wir fahren auf Autobahnen ohne nennenswerte Pausen bis nach Briviesca, einer Kleinstadt nördlich von Burgos. Dort übernachten wir nach fast 1000 km Fahrt. 

 

 


Tag 29: An die Dune du Pilat Bei Bordeaux

Weiter geht´s nach Frankreich. Leider auch hier Ostwind. Trotzdem fahren wir "die Düne" an, um zu versuchen, ob man hier nicht doch ein bisschen Gleitschirmfliegen kann.  

 

 

Tag 30: Wieder im Sand spielen, diesmal ohne Ormel

Die über 100 m hohe, bis 500 m breite und fast 3 km lange Düne ist schon sehr beeindruckend. Leider was´s wieder nix mit Fliegen, nur Bodenübungen waren drin. Letztlich war durch insgesamt sehr windige Bedingungen im gesamten Urlaub ein risikoarmes Fliegen nicht möglich. Wir hätten den Gleitschirm eigentlich zuhause lassen können. Dann hätten wir einiges an Gewicht gespart! Wir hätten stattdessen z.B. noch einen zweiten Dutch Oven mitnehmen können :-) 

 

 


Tag 31: Nach Hause

Die restlichen 1300 km sind wir dann mit einigen Pausen heimgefahren, damit wir noch einen Tag zum Auspacken hatten, bevor der Alltag uns wieder heimsucht...

 

 


Fazit

Marokko ist ein wunderbares Reiseland. Die Landschaften sind sagenhaft. Man sieht saftige Wiesen,  alpine Panoramen, Steppe, Stein- und Sandwüsten, Fata Morganas, wunderbare Küsten und einsame Strände, bizarre Felsformationen und beeindruckende Schluchten. 

 

Die Hauptverbindungsstraßen sind in gutem bis sehr gutem Zustand. Die Nebenstraßen sind allerdings oft noch etwas abenteuerlich, aber das wollten wir ja so!

 

Die Menschen waren durchweg freundlich. Wir bekamen häufig spontane Willkommensgrüße, Daumen-hoch-Zeichen und freundliches Zuwinken. In der Region Imilchil und Dades-Schlucht sind uns viele -zum Teil sehr aufdringlich- bettelnde Kinder aufgefallen, die sich auf die Straße stellen und nach Stiften und Bonbons fragen. Weiter im Süden sind die Kinder eher zurückhaltend, teils sogar schüchtern. Wir haben uns immer sicher gefühlt. In den Städten und an Punkten mit Massentourismus soll es wohl -wie überall- Kriminalität (v.a. Taschendiebstahl) geben, aber wir haben nur sehr wenige zwielichtige Gestalten gesehen. Auch offensichtlich radikal-islamistische aussehende Personen und religiöse Fanatiker haben wir praktisch nicht wahrgenommen. 

 

Der Reisezeitpunkt war für unsere Strecke gut gewählt. Wer baden möchte und sich viel im Norden aufhält, könnte sicher auch einen Monat später, April-Mai reisen. Südlich des Altlas' hatten wir aber Anfang April schon teils über 35°C. Wir hatten nur 3 Regentage in 4 Wochen, also sehr gutes Wetter! Nur hatten wir stetig einen relativ kräftigen Wind, der sich eigentlich mehr oder weniger durch den ganzen Urlaub zog.  

 

Eines ist sicher: Wenn wir die Möglichkeit (langer Urlaub, Gesundheit, Fahrzeug...) haben, werden wir wieder nach Marokko reisen. Wir werden dann aber die Fähre von Genua nehmen, um entspannter an- und heimzukommen. Es gibt einiges Schöne, an dem wir aus Zeitdruck vorbeigefahren sind (Gegend von Ourzazate, Rosental, Gegend um Midelt, Toubkal-Massiv...) sowie Gegenden, in denen wir gar nicht waren (Meknes, Casablanca, Essaouira, Erg Chebbi, Plage blanche, östliches Rif-Gebirge...).

 

Marokko, wir kommen wieder!

 

 

 


Statistik

Gefahrene Strecke: 8820 km, davon über 3700 in Marokko  

Durchschnittliche tägliche Fahrstrecke in Marokko: 162 km 

Verbrauchter Diesel: ca. 1100 Liter 

Bezahlte Autobahn-Maut: ca 420 €, davon 17 € in Marokko  

Fähre Tarifa - Tanger Ville: 250 € (hin und zurück)

An Ormels Front verendete Insekten: ca. 7.243 

Lebenshaltungskosten in Marokko incl. gut 20 Liter Diesel, Maut, Campingplätze, Eintrittsgelder, Lebensmittel, Essen gehen, Selfie-Stick und vieles mehr: ca. 40 € am Tag (für 2 Personen). 

Lebenshaltungskosten ohne Diesel: weniger als 10 € pro Person und Tag! 

 

Wir waren in Marokko oft auf Campingplätzen, obwohl freies Stehen - vor allem im Süden- eigentlich kein Problem ist. Bei Campingplatz-Preisen von 5-6 Euro pro Nacht für Camper + 2 Personen lohnt sich die Suche nach einem freien Stellplatz kaum. Die Campingplätze sind überwiegend sehr schön, allerdings ist die Qualität der sanitären Anlagen ziemlich unterschiedlich. Warmduscher wie wir können sich ja z.B. bei Campercontact vorher schlau machen. 

 

 


Kleines Glossar

zur Erläuterung einzelner Wörter, die im Text benutzt wurden

 

Agadir: Speicherburg. Vor allen in ländlichen Gebieten auf Bergen errichtete Trutzburgen mit abschließbaren Kammern für Wertsachen, Vorräte, Waffen usw.  

 

Anti-Atlas: Gebirgszug südlich des Altas aus rotem, gefalteten Fels, der manchmal wie Marmorkuchen aussieht. Außerhalb von Oasen trockene Wüste mit geringer Vegetation. 

 

Atlas: Hochgebirge, das sich von Marokko bis Tunesien erstreckt. Wasser- und Klimascheide. Trennt den fruchtbaren Norden vom Wüstenklima im Süden ab. Höchster Berg ist der Djebel Toubkal mit 4167 m. 

 

Erg: Sandwüste. Für Ormel schön, denn das Fahren ist zwar anstrengend, aber belastet sein Gerippe nicht. Allerdings war sein (mit Wollfett eingecremter) Bauch nachher mit einer Sandkruste paniert. In Marokko nur kleine zusammenhängende Flächen mit Sanddünen im Festland. Die größte Sandwüste Marokkos ist der

 

Erg Chegaga mit ca 10 x 15 km reinem Dünenfeld in einer großen Ebene mit gemischtem, auch teils sandigen Untergrund (auch "Reg" genannt). 

 

Hammada: Fels- und Steinwüste. Der größte Teil der marokkanischen Sahara. Die Pisten durch Hammada sind mit dem Auto oft sehr nervig zu fahren und auch Ormel hatte mit dem Gerüttel und Geschwanke oft zu schaffen.  

 

Ksar: Befestigter Ortskern in ländlichen Gebieten. Enge Gassen zwischen Lehmbauten, von einer Mauer mit Wehranlagen umgeben. 

 

Kasbah: Festung, auch Burg-ähnliche Villa. Wird in den letzten Jahren oft als Bezeichnung für Touristen-Hotels mit Türmchen an den Ecken benutzt. 

 

Medina: Allgemeine arabische Bezeichnung für Stadtkern bzw. Altstadt. Im engeren Sinne auch eine Stadt in Saudi Arabien. 

 

Souk: Traditioneller Markt. Hier gibt´s eigentlich alles, aber außer Coca-Cola keine typisch westlichen Produkte. Auch keine Gummibärchen! 

 

Oued / Wadi: Zeitweise ausgetrocknetes Flussbett in Wüstengegenden. Im Frühjahr oft noch wasserführend, dann gerne auch mit weggespülten Brücken und daneben improvisierten Furten.  

 

Rif: Gebirge im Norden Marokkos. Eher wie ein Mittelgebirge bei uns (nur dass bei uns kein Cannabis auf großen Feldern angebaut wird). 

 

Thé à la menthe: Traditionelles marokkanisches Getränk mit schwarzem (oder grünem) Tee und frischer marokkanischer Minze. Außerdem viel Zucker. Der Tee wird wiederholt in das Teeglas eingeschenkt und zurück in die Kanne gekippt, bis der Zucker sich gelöst hat, die Temperatur trinkbar ist und der Tee schäumt.